Ein Gast-Statement zu einem Jahr der vergangenen Beschäftigung mit Covid19...


Worte von Lutz Jäkel,
die ich hier zitiere, weil sie wichtig sind.
Das Zitat findet sich auf FaceBook. Link steht unter dem Zitat.


"Die Pandemie geht in ihr erstes Jahr. Und in diesem Jahr habe ich etwas gelernt, von dem ich mir nicht vorstellen konnte, das eingestehen zu müssen: Ich hatte bis vor einem Jahr an die Kraft der Aufklärung durch Wissen geglaubt. Also daran, dass wenn man sich nur richtig und aufrichtig bemühe, jeder und jede durch faktisches Wissen (nicht Meinungen!) im Interesse Aller überzeugt werden könne.

Vor allem
dann, wenn es um wissenschaftliche Erkenntnisse bei einer Krankheit geht, bei der wir täglich dazulernen. Es geht ja nicht darum zu bemessen, ob zum Beispiel Donald Trump nur verrückt oder total verrückt ist. Über diese Nuancen kann man ja noch streiten. Aber doch nicht darüber, ob Sars-Cov-2 gefährlich ist. Diesen Glauben an die Kraft der Aufklärung habe ich verloren.

Dass
Wissensvermittlung Zeit braucht, ist klar. Daher habe ich im Frühjahr und auch noch im Sommer gedacht, dass die Expertinnen und Experten, das RKI und andere nur beharrlich aufklären müssen, irgendwann wird's auch der Letzte und die Letzte verstanden haben. Mein Gehirnschmalz ist auch nur begrenzt einsetzbar, auch ich habe vieles nicht verstanden und tue es bis heute nicht, ich bin schließlich kein Mediziner. Aber ich vertraue denjenigen, die sich damit auskennen und erlaube mir dennoch, die eine oder andere Schutzmaßnahme und Einschränkung zu hinterfragen.

Dass nicht alles nachvollziehbar und logisch ist, auch das haben die meisten von uns verstanden. Das darf und muss auch kritisiert werden. Dennoch habe ich verstanden, was eine Pandemie ist. Und was wir tun müssen, um aus dieser Krise herauszukommen.

Ich
habe es daher nicht für möglich gehalten, dass nach einem Jahr Aufklärung es noch immer Menschen gibt - und es sind nicht selten wirklich intelligente Menschen - die Corona mit Grippe vergleichen, obgleich das schon vielfach widerlegt wurde. Die noch immer fragen, wo denn diese Saison die ganzen Grippetoten seien, sie also nicht verstanden haben, dass durch die Schutzmaßnahmen gegen Corona auch andere Infektionskrankheiten wie die Grippe sich weniger stark ausbreiten können. Dass es außerdem schon lange einen Impfstoff gegen Grippe gibt, gegen Sars-Cov-2 erst seit kurzem, der erst jetzt verabreicht wird.

Die noch immer nicht verstanden haben, was das
Präventionsparadox ist und deswegen behaupten, Sars-Cov-2 sei nicht gefährlich oder nicht so gefährlich, wie "die da oben" behaupten, man müsse sich doch nur die Zahlen genauer ansehen, so dramatisch seien die doch in der Gesamtzahl nicht. Die also nicht verstanden haben, dass die Zahlen in der Relation so "niedrig" sind WEGEN der Schutzmaßnahmen.

Die
noch immer wider jeder Statistik behaupten, es gebe keine Übersterblichkeit. Die noch immer nicht verstanden haben, dass man auch infiziert sein kann, ohne Symptome zu haben, aber dann trotzdem infektiös und damit eine Gefahr für andere ist.

Die noch immer
nicht verstanden haben, dass ein Gesundheitsminister Jens Spahn oder ein RKI-Präsident Lothar Wieler nicht diktatorisch alleine einschätzen und bestimmen - und daher verächtlich "Bankkaufmann Spahn" oder "Tierarzt Wieler" genannt werden - sondern Spahn ein großes Ressort aus ExpertInnen und StaatssekretärInnen führt, genauso wie Wieler im RKI mit einem sehr großen Team arbeitet.

Die noch immer nicht zu unterscheiden wissen zwischen dem Virus Sars-Cov-2 und der Erkrankung Covid-19, ist alles eben Corona.

Die
noch immer nicht verstanden haben, dass eine Covid-19 Erkrankung zwar harmlos verlaufen kann, aber eben auch sehr dramatisch und man womöglich noch Monate mit gravierenden Folgeschäden zu kämpfen hat, dass also genesen nicht gesund bedeutet.

Die noch immer glauben, die
Infektionszahlen seien nur deswegen so hoch, weil mehr getestet werde (ja, natürlich. Aber deswegen ist die Zahl womöglich noch höher, weil theoretisch auch noch mehr getestet werden könnte, es praktisch aber nicht umsetzbar ist).

Die noch immer glauben, die vom RKI und
anderen verantwortlichen Stellen herausgegebenen Zahlen seien Fake oder nur dazu angetan, uns Angst zu machen, um uns zu verunsichern, weiter in Abhängigkeit und in die Diktatur zu führen und die deswegen jede Meldung über neue Höchststände bei Infektions- und Todeszahlen zynisch, hämisch, menschenverachtend mit einem Lach-Emoji quittieren.

Denen
es noch immer nicht gelingt, über die Grenzen Deutschlands hinaus zu blicken, um zu verstehen, dass es in anderen Ländern noch viel dramatischere Verläufe gibt und das eine Warnung sein muss. Denn bei aller Kritik, die man anbringen kann bei einigen Maßnahmen, bleibt die Tatsache bestehen, dass im internationalen Vergleich Deutschland noch immer die Pandemie ganz gut im Griff hat. Ganz gut - das war im Frühjahr und Sommer übrigens anders, da war es noch sehr gut. Dass es also nur noch "ganz gut" ist, auch das sollte eine Warnung sein. Stattdessen fahren noch immer viele Menschen in die Berge zum Skifahren oder gehen ins Großraumbüro und quetschen sich in überfüllte U- und S-Bahnen.

Das
sind doch alles Tatsachen, für deren Verständnis man nicht allzu viel Gehirnschmalz bemühen muss. Das habe ja sogar ich verstanden. Und wenn es etwas länger dauert, bis man das alles einigermaßen einordnen kann: völlig okay. Aber diese Tatsachen noch immer zu leugnen, herunterzuspielen, als Fake zu bezeichnen? Nach einem Jahr unzähliger Aufklärungsarbeiten vieler Expertinnen und Experten? Wer das tut, will es offenbar nicht anders, da hilft auch keine weitere Aufklärungsarbeit mehr.

Denn diese wissenschaftlichen Erkenntnisse sind Fakten.
Fakten, die sich fortlaufend erweitern, auch mal verändern, das ist das Wesen von Wissenschaft. Aber der, sozusagen, Grundtatbestand bleibt: Sars-Cov-2 ist sehr gefährlich und hat schon bei rund zwei Millionen Menschen zum Tod geführt, von den vielen Folgeschäden ganz abgesehen.

Anders
gesagt: Ohne das Virus würden sehr viele, vermutlich die meisten, der rund zwei Millionen Verstorbenen noch leben. Und ohne die Schutzmaßnahmen wären noch sehr viel mehr Menschen tot.

Dass
Menschen so konsequent bereit sind, sich von wissenschaftlichen Erkenntnissen abzukoppeln und lieber Scharlatanen hinterherzulaufen, weil die das erzählen, was sie hören wollen, habe ich angesichts der Dramatik und Gefahr durch eine Pandemie nicht für möglich gehalten. Nicht nach einem Jahr Aufklärungsarbeiten.

Das anzuerkennen ist
die bittere Erfahrung für mich aus dem vergangenen Jahr. Ich verstehe jetzt auch besser, warum ein Donald Trump und eine AfD möglich sind. Gegen die Ignoranz vieler Menschen ist eben keinerlei Kraut gewachsen.

Originalquelle:
https://www.facebook.com/photo...;set=a.106289729386681


Covid19, Verantwortung und Achtsamkeit


Willkommen beim ersten Posting zum Covid19-Thema seit einem Monat,
während ich diese Zeilen schreibe, ist der dank Social Distancing auf nur noch 0,6x gesunkene R-Wert, der täglich vom Robert Koch Institut veröffentlicht wird, wieder auf über 1 gestiegen. Die Kurven sehen alles andere als gut aus, und zeigen die direkte Wirkung der zu unsachgemäß aufgegleisten Lockerungen. Und zwar darum:

Es gibt viel zu viele Menschen wie "Tim" auf der Welt und im Lande.

Wir verspielen soeben die Errungenschaften des extrem teuren Lockdowns,
im Grunde nur deswegen, weil auf Druck einige vermutlich von der Industrie erpresste Ministerpräsidenten gegen jegliche epidemiologische Lehre die von der Regierung beschlossenen Einschränkungen eigenmächtig und faktisch zu früh- und zu unkontroliiert - das können sie leider in einem föderalen System - gelockert haben. Sie alleine könnten aber eher wenig bewirken, wären da nicht Menschen wie "Tim", welche einfältig, egoistisch und verantwortungslos im epidemiologischen Sinne handeln.



Was in unserem Lande aber besonders blamabel ist,
ist jene Entwicklung der letzten 10 Tage, in der massiv von finanziell potenten, durchweg politisch rechts-gerichteten Kreisen gezielt und teilweise sehr professionell Falschinformationen in die Leitmedien und Social Media lanciert worden sind, in deren Folge eine erstaunlich hohe Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern gegen probate Mittel des epidemiologischen Schutzes, die extrem teuer sind und unser aller Schutz dienen, protestieren. Was hier gerade geschieht, ist eine Schande, ein Desaster und eine desillusionierende Erfahrung für ein als aufgeklärt geltendes Land - und noch schlimmer: Es mag uns direkt in die epidemiologisch überall gefürchtete zweite Welle hineinbefördern.

Die Aufarbeitung dieser Desinformationskampagnen
dürfte einige Zeit dauern und die seriöse Wissenschaft viele Monate beschäftigen. Das Ergebnis dürfte desaströs ausfallen, und die Verhältnisse in den USA mögen uns diesbezüglich zeigen, wohin die Reise gehen kann, wenn Dummheit siegt beziehungsweise wenn die Wirtschaft zum Primat erklärt wird, für das man im Falle einer Pandemie eben zu sterben hat, so wie auch die gesamte Ökologie für die Wirtschaft unserer aktuellen Ausprägung zurückzutreten hat. Ja, hier gibt es einen Zusammenhang.

Ich distanziere mich ab sofort
auch von Magazinen und Blogs, die in der Vergangenheit konstruktiver mit Fakten umgegangen sind. Täuschung ist für mich auch in einer DEMOKRATIE kein im Rahmen von Meinungsfreiheit zu akzepotierendes Verhalten. Da ich einige der Personen, von denen ich mich ab sofort distanziere, persönlich kenne und einst ihre Intelligenz schätzte, weiss ich auch, dass hier keine persönliche Irrtümer vorliegen, hier wird graduell vorsätzlich getäuscht. Ich distanziere mich insbesondere ab sofort von

  • KEN FM
  • RAUM UND ZEIT
  • RUBIKON MAGAZIN

Wir können aktuell nur alles uns mögliche tun, um bewusst und achtsam mit der Pandemie umzugehen.
Wir können unser Kontaktverhalten und unser Konsumverhalten, unsere Bewegung in der Gemeinschaft achtsam gestalten, Mindestabstand, Mund- und Nasenschutz als Minimum. Wir dürfen uns fragen, inwiefern wir ohne klares Wissen über den Zustand unserer Covid19-Immunität beziehungsweise Infektionsstatus auf Reisen gehen können. Ist das ethisch zu verantworten wie "Tim" zu sein? Haben wir nicht achtsamer mit unserer irdischen Lebensgemeinschaft zu verfahren?

Rund um Urlaub
Vollkommen desaströs fand ich in der letzten Woche ein Statement zum Thema REISEN IM SOMMER. Die Veranstalter sondieren Gegenden, die heil davon gekommen sind - bislang - die also in gewisser Weise SICHER sind. Und sie stellen sich vor, dass deutsche Touristen so schnell als möglich wieder dorthin reisen dürfen, ohne jeden definitiven Nachweis von Immunität oder Infektionsstatus. Wenn unter den vielen Reiselustigen nur eine Handvoll an "Tims" pro Reiseziel sein sollten, droht allen Urlaubszielen, die wie gesagt bisher glimpflich davon gekommen sind, ein Desaster. Folge des puren Egoismus unsererseits.

Wollen wir das wirklich?
Können wir das verantworten?


Ein tief empfundenes Danke
Ich möchte mich heute bei allen Krankenschwestern, Krankenpflegern, Ärzten und Ärztinnen, Helferinnen und Helfern, bekannten als auch unbekannten Menschen, für ihren unermüdlichen Einsatz in den letzten Wochen bedanken, es ist mir ein Bedürfnis, dies hier an- und auszusprechen. Und ich hoffe sehr, dass Politik und Krankenkassenvereinigungen sich dazu durchringen können, euch alle eine angemessene finanzielle Entschädigung zukommen zu lassen.

Für uns alle, die wir Verantwortung für uns, Familie und Mitmenschen übernehmen wollen, heisst es also weiterhin:

  • Bleiben wir achtsam und verantwortungsvoll!
  • Behalten wir Einschränkungen so lange es nötig und möglich ist bei!
  • Lassen wir uns nicht von durchgeknallten Ministerpräsidenten zu seelenlosem wirtschafts- und konsumgläubigen Verhalten verleiten!
  • Von unserem Handeln werden Wohl und Wehe vieler Menschen- und Familienschicksale abhängen!

Irgendwann in eher naher Zukunft wird es Medikamente, medizinische Protokolle und Immunitätsraten geben,
dass diese Pandemie überwunden ist. Wann das sein wird bestimmen wir durch unser Verhalten ebenso mit wie jene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Tag und Nacht seit Monaten an Studien, Analysen, Medikamententests, Impfmittlenentwicklungen, Antikörper-Seren usw. forschen. Auch jenen, den unbekannten als auch mir bekannten Menschen dieser Zunft danke ich für ihr hochqualifiziertes Arbeiten zum Wohle aller, besonders der auch kommunikativ vorbildlichen Arbeit von Christian Drosten und seiner Partnerin Sandra.

Mögen wir heil und gesundheitlich unversehrt
mit überschaubarem und zu bewältigenden finanziellen Verlusten diese Phase überstehen.

Mögen wir, falls wir diese Phase erfolgreich überstehen,
jene unterstützen, die es nicht so gut angetroffen haben und die nun unsere Hilfe benötigen.

Bleibt gesund!

Namasté


P.S.

Wer das Thema tiefer ergründen will, hier ist ein Einstiegsbuch:

https://www.amazon.de/Epidemiologie-für-Dummi...


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